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Lösungen
im Plenum
Wer in Meetings lösungsorientiert arbeiten will, braucht Moderation.
Wie erstaunlich einfach diese Führungstechnik ist, zeigt ein
Profi-Training. |
| Journalistische
Beschreibung des Moderations-Trainings "Profi Moderation" in
der Zeitschrift CIM 6/2008 |
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Klarstellen. Ein ungewohntes Raum-Layout empfängt
die Teilnehmer an diesem Montagvormittag im Tagungsraum eines Frankfurter
Hotels. Frontal zu mehreren Pinnwänden an der Längsseite
stehen die Stühle im Halbkreis, Tische fehlen komplett. „Tische
schmeiße ich immer als erstes raus, damit Sie zusammenrücken
und interagieren können“, erklärt Ulrich Martin
Drescher, der sich als „Gesprächshelfer“ vorstellt. „Wegwart
des Schwarzwaldvereins“ hat der studierte Diplom-Volkswirt
in der Spalte „Ein Beruf der auch zu mir gepasst
hätte“, auf dem Begrüßungsplakat eingetragen.
Registriert haben sich hier auch die aus ganz Deutschlands angereisten
Teilnehmer, die die nächsten neun Stunden mit dem bekannten
Trainer lernen, wie man Gruppen professionell moderiert. „
Welche Ärgernisse und Schwachstellen treten bei unseren Meetings
immer wieder
auf?“ fragt Drescher zum Auftakt in die Runde. Schlagwörter
wie „Handys“ lässt er nicht gelten. Die Störfaktoren
respektive Argumente müssen in Halbsätzen mit maximal
sieben Wörtern auf eine Karte geschrieben, dann an die Pinnwand
geheftet werden. Ziel ist es, Erkenntnisse in den Köpfen auszulösen.
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Jeder ist gefragt:
Was könnte uns
helfen, Gespräche zielgerichtet zu moderieren? |
„ Moderation ist eine Nötigung,
die simultanes Mitdenken fordert“, erklärt Drescher.
Die Teilnehmer, die an diesem Morgen zum Teil bereits fünf
Stunden Autofahrt hinter sich haben, sind hellwach und konzentriert.
Zwei von ihnen stehen gerade an der
Pinnwand und visualisieren die Argumente mit Karten, wobei die
Rolle des fragenden Moderators von der des Schreibers strikt getrennt
ist. Auf maximal 30 Sekunden Länge sind Äußerungen
im Plenum festgelegt. Gesagtes kann qua Blitzintervention hinterfragt
werden, was hilft, Diskrepanzen zu fokussieren. „
Geben Sie ein Beispiel für das, was gemeint ist“, lautet
dann jedoch gnadenlos die Bringschuld für den Blitzer.
„Was im Detail könnte uns helfen, Gespräche
zielgerichtet und effizient zu moderieren?“ ist die Fragestellung
zum Auftakt der zweiten Phase der Moderations-Dramaturgie. Die
zehn Teilnehmer notieren einen Halbsatz auf je drei Karten, so
dass schließlich 30 Karten an der Pinnwand hängen. Klarer
Moderationsauftrag, wertschätzende Kommunikation, logischer
Ablauf, Versachlichung von Konflikten sind Titel zu den nun in
Gruppen geordneten Argumenten. Dabei muss jede Karte zur Überschrift
für die anderen Karten im Cluster taugen. Jede(r) im Raum überlegt,
welche der genannten Faktoren für ein eigenes Moderations-Setting
wohl am wichtigsten wären. „Was davon wird mir schwer
fallen, tatsächlich umzusetzen?“ lautet konkret die
Gewichtungsfrage. Mit drei roten Punkten werden die Prioritätenfolgen
der wichtigsten Faktoren für den Moderationserfolg
markiert. Sieger nach Punkten und so Effizienzfaktor Nummer Eins
ist gutes Zeitmanagement. Konkret zu beachten ist es
bei Präzisierung, wenn Argumente pro und kontra ermittelt
werden, erneut per Karteneinsatz. Um Unübersichtlichkeit an
der Pinnwand zu vermeiden, beschriften in Großgruppen je
zwei Personen eine Karte. Das Handling der Karten, im Frankfurter
Plenum zum Teil als kompliziert thematisiert, ist unverzichtbar.
Vor der Erörterung an der Pinnwand vom Moderator eingesammelt
und gemischt, sind Karten ein Garant für strikte Trennung
von Argument und Person und somit von Versachlichung. Wenn das
Thema in allen für die Anwesenden relevanten Facetten ausgebreitet
ist, kann die Phase der Vertiefung beginnen. Hier wäre der
ideale Zeitpunkt, parallele Kleingruppen zu bilden, um das jeweils
präferierte Thema zu erörtern. „Ich gehe nie in
Kleingruppenräume,
weil die Produktionsenergie durch eine Trennung der Einheit von
Zeit und Raum zunichte gemacht wird“, betont Drescher. Er
ließ schon bis zu 30 Kleingruppen in einer Messehalle konferieren
und
danach im Plenum ihr Ergebnis präsentieren.
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Ein guter Moderator ist ein Muss.
Wie man es wird, zeigt Ulrich Martin Drescher. |
Vertiefung
im Plenum ohne Gruppenarbeit steht in Frankfurt auf der Agenda.
In dieser
Phase geht es darum,
Verbesserungspotenziale herauszuarbeiten. „Was zeichnet eine
gut formulierte Moderationsfrage aus?“, fragt Drescher in
die Runde. Offen muss sie gestellt sein, aber nicht zu vage formuliert.
Die Frage soll die Teilnehmer betroffen machen. Vor allem soll
sie provozieren und zu Meinungsäußerungen statt zum
Abspulen von Sachwissen anregen. „Geben Sie sich selbst
erstmal Antworten auf Ihre Fragen, um zu überprüfen,
ob sie funktionieren“, empfiehlt der Profi-Trainer. An Beispielen
aus dem unterschiedlichen Berufsalltag der Teilnehmer wird die
Fragetechnik erprobt. Schnell zeigt sich, dass die Frage „wie
können wir fünf Prozent sparen?“ besser funktioniert,
wenn man „durch welche Projekte“ an den Anfang stellt.
Dass man die Qualität der Argumente erhöht, wenn man
Fragen aus zwei Perspektiven stellt, zeigt sich am Beispiel der
Frage „Was fällt Ihnen beim
Verkaufen eher leicht, was eher schwer?“. Erneut werden die
Karten der Teilnehmer zu Clustern zusammengefasst und geordnet. Da
die Methode zunächst für die Lernstatt zur Arbeit mit fremdsprachigen
Beschäftigten entwickelt wurde, greift sie über mehrere
Hierarchieebenen, wobei auch fachübergreifend geclustert werden
kann“, resümiert Ulrich Martin Drescher.
Nachdem die Anwesenden eine spezifische Situation aus ihrem Berufsalltag
mit dem Moderationstool für sich aufbereitet haben, wird ein
Aktionsplan entwickelt und präsentiert. Mit grünen, gelben
und orangefarbenen Karten können Teilnehmer im Sinne der Ampelfarben
Flagge zeigen und den Aktionsplan bewerten. Am Schluss stehen Resümee
und Auflistung, welcher Mitarbeiter was bis wann erledigen wird.
Nach dem Workshop erhalten alle Teilnehmer digital fotografierte
Protokolle
der nummerierten Poster. „
Ich habe viel gelernt und bin beeindruckt von Effizienz und Einfachheit
dieses Tools“, resümiert Hyo-Sup Steinbauer, Diplom-Wirtschaftsingenieur
der ZF Friedrichshafen AG, seine Teilnahme. Auch für die anderen
Gäste haben sich die neun Stunden Moderationstraining in Frankfurt
gelohnt.
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